Die Bahnhofsmission Göttingen blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück und feiert 2026 besonders das 50-jährige Bestehen ihres Gebäudes auf Gleis 4/5. Mehr als die Hälfte dieser Zeit, nämlich seit 30 Jahren, engagiert sich dort Caritas-Mitglied Ingeborg Piper ehrenamtlich.
Ihr Weg zur Bahnhofsmission begann über ihren Mann. "Mein Mann wurde damals von einem Zivildienstleistenden gefragt, ob er sich eine Mitarbeit vorstellen kann", erinnert sich Ingeborg Piper. Sie blieb bis 2025 aktiv dabei. Mittlerweile unterstützt sie ihre Kolleginnen und Kollegen aus gesundheitlichen Gründen nur noch aus dem Hintergrund. "Ich war schon in jungen Jahren im sozialen Bereich, beispielsweise in Krankenhäusern, aktiv", berichtet die heute 81-Jährige. Die Arbeit bei der Göttinger Bahnhofsmission habe ihr immer viel Freude bereitet: "Es war eine schöne Zeit, und wenn ich es könnte, wäre ich auch weiter dabei".
Ingeborg Pipers Herz schlägt für die BahnhofsmissionVera Wölk cps
Zu den Aufgaben der Ehrenamtlichen der Bahnhofsmission gehören unter anderem die Umstiegshilfe bei Reisenden, die Betreuung sogenannter "nichtreisenden Gäste" sowie aktiver Bahnhofs- und Bahnsteigdienst. Zwei Geschichten sind ihr dennoch besonders im Gedächtnis geblieben. Zum einen zwei kleine Kinder, die zur Bahnhofsmission gebracht wurden, weil sie allein am Bahnsteig standen. "Die Mutter war schon im Zug, als sich die Türen schlossen und er losfuhr", erzählt Ingeborg Piper. Die Kinder wurden dann in den Räumen der Bahnhofsmission mit Spielen beschäftigt. "Die Mutter kam mit einem der nächsten Züge wieder zurück. Und bei allen war die Freude über das Wiedersehen groß", sagt Piper lächelnd. Die zweite Situation war eine verwirrte Frau, die hilflos am Bahnsteig stand und zur Bahnhofsmission gebracht wurde. Hier konnte Ingeborg Piper dann den Sohn der Frau erreichen, der sie abholte.
Kronenkreuz in Gold der Diakonie
Insbesondere Gäste der Bahnhofsmission, denen es nicht gut ging, haben Ingeborg Pipers Blick auf ihre ehrenamtliche Tätigkeit geprägt. "Da wird man schon demütig und merkt, wie gut es einem selbst doch eigentlich geht. Und man hat gespürt, wie dankbar sie sind, dass sie bei uns Hilfe erhalten", sagt Piper. Für die Gäste habe die Bahnhofsmission auch immer etwas zu essen und zu trinken.
Für diejenigen, die sich für eine Mitarbeit bei der Bahnhofsmission interessieren, hat Piper einen Tipp: Sie sollten die Dinge, die sie dort erleben, nicht zu nah an sich ranlassen. "Dennoch braucht man für die Aufgabe auch Empathie", betont Piper. Ihr selbst sei es gelungen, immer auf sich zu achten, auch wenn es schwierige Situationen im Dienst gegeben habe. Für ihren langjährigen Einsatz hat sie im April 2026 das Kronenkreuz in Gold der Diakonie verliehen bekommen. "Das ist eine schöne Anerkennung für den ehrenamtlichen Einsatz", sagt sie.
In ganz Deutschland sind die Bahnhofsmissionen mit ihren mehr als 2.300 haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden zentrale Knotenpunkte des sozialen Netzes in den Städten und an den Bahnhöfen. Die Mitarbeitenden helfen jedem, sofort, gratis und ohne Anmeldung oder Voraussetzungen, häufig zu Uhrzeiten, zu denen andere Hilfe nicht erreichbar ist. Das tun sie seit inzwischen weit über 100 Jahren und an derzeit mehr als hundert Orten in Deutschland. Die Bahnhofsmissionen sind Einrichtungen der Evangelischen und der Katholischen Kirche. Ihre Arbeit lebt vom Engagement der zahlreichen freiwillig Engagierten. In zunehmenden Maß sind die Bahnhofsmissionen auf Spenden angewiesen.