Auf Einladung des Referats Migration und Integration des Caritasverbandes für die Diözese Hildesheim besuchten die SPD-Bundestagsabgeordnete Dunja Kreiser und die SPD-Landtagsabgeordnete Julia Retzlaff die Asylverfahrensberatung (AVB) in der Landesaufnahmebehörde am Standort Braunschweig. Ziel des Praxisbesuchs der Politikerinnen war es, einen direkten Einblick in die konkrete Arbeit vor Ort zu gewinnen und über die Zukunft des Beratungsprogramms zu sprechen. Empfangen wurden die Abgeordneten von Sandrine Tiyong-Fometio und Peggy Götz (AVB-Beraterinnen des Caritasverbandes Braunschweig e.V.) sowie Zi Jia Nghiem, der Referentin für Migration und Integration beim Caritasverband für die Diözese Hildesheim.

Im Fokus des Austauschs stand die behördenunabhängige Asylverfahrensberatung, die auch die besondere Rechtsberatung für vulnerable Schutzsuchende umfasst. Die Praxiserfahrungen der Caritas zeigen deutlich: Wenn Schutzsuchende das Verfahren verstehen, können sie besser mitwirken und ihre Schutzgründe strukturiert vortragen. Das erhöht die Qualität und Effizienz der Verfahren massiv. Schutzbedarfe werden frühzeitig erkannt und die Bleibeperspektive klärt sich schneller - was wiederum eine rasche Integration oder eine geordnete Rückkehr ermöglicht. Zudem leistet die AVB einen wichtigen Beitrag zur Umsetzung der Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS).
Darüber hinaus unterstützt die AVB die Behörden bei der rechtlich verpflichtenden Identifizierung besonderer Schutzbedarfe, wie etwa bei Opfern von Menschenhandel, Traumatisierungen oder unbegleiteten Minderjährigen. Da nur unabhängige Stellen zu rechtlichen Erfolgsaussichten im Einzelfall beraten dürfen, führt dies oft dazu, dass aussichtslose Anträge gar nicht erst gestellt werden. Gleichzeitig stärkt die Erklärung von Bescheiden durch unabhängige Dritte die Akzeptanz der Entscheidungen, was Behörden und Gerichte spürbar entlastet.
Die SPD-Abgeordneten Kreiser und Retzlaff stimmten darin überein, dass ein von der entscheidenden Behörde unabhängiges und geschütztes Beratungsverhältnis essenziell ist. "Nur in diesem geschützten Raum entsteht das nötige Vertrauen, damit Schutzsuchende auch über sensible, aber asylrelevante Erfahrungen wie sexualisierte Gewalt sprechen können. Die unabhängige Beratung ergänzt damit die Gruppen-Rechtsauskünfte des Bundesamtes um die entscheidende individuelle Komponente", heißt es in einer Presseinformation der SPD zum Besuch.
Mit Blick auf die GEAS-Reform, die vermehrt zu Freiheitsbeschränkungen und beschleunigten Verfahren führen wird, ist dieser Zugang wichtiger denn je", betonten die SPD-Politikerinnen. "Eine gut funktionierende, behördenunabhängige Asylverfahrensberatung ist kein Selbstzweck, sondern das Fundament eines schnellen und rechtsstaatlichen Verfahrens. Die Arbeit der Caritas hier in Braunschweig zeigt eindrucksvoll, dass unabhängige Beratung zu mehr Fairness führt und gleichzeitig unsere Behörden und Gerichte entlastet. Damit diese wichtige Arbeit flächendeckend und verlässlich Zukunft hat, müssen wir das Bundesprogramm im Haushalt 2027 langfristig absichern und finanziell stärken", resümierte Kreiser im Nachgang.
Die Caritas versteht sich bundesweit als Anwältin für Menschen, die nur eingeschränkt für ihre eigenen Rechte kämpfen können. "Dies trifft in besonderem Maße für Menschen mit Migrations- und Fluchtgeschichte zu, die neben anderen sozialen Schwierigkeiten häufig mit Sprachproblemen, einem unsicheren Aufenthaltsstatus, restriktiven rechtlichen Regelungen und getrennten Familien konfrontiert sind" sagt Zi Jia Nghiem. Im Bistum Hildesheim berät die Caritas an 15 Standorten fast 14.000 Migrant:innen im Jahr zu vielen Themen von Migration und Integration. Und es gibt auch praktische Unterstützung. Ein Beispiel: die Caritasstelle Friedland gibt im Jahr rund 5.900x Kleidung an Menschen, die in Deutschland ankommen und hier eine neue Heimat suchen.