Hannover, 17.09.2026. In Niedersachsen werden die meisten pflegebedürftigen Menschen zu Hause versorgt. Diese Versorgung wird maßgeblich von pflegenden An- und Zugehörigen, ambulanten Pflegediensten, Tagespflegeeinrichtungen und weiteren Unterstützungsangeboten getragen. Bereits heute stehen diese Strukturen unter erheblichem personellem und wirtschaftlichem Druck.

Zum geplanten Pflegeneuordnungsgesetz sagt Hans-Joachim Lenke, Vorstandsvorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAG FW), in der auch die Caritas Mitglied ist: "Wir begrüßen die Ansätze des Gesetzentwurfs, die auf Prävention, Digitalisierung und eine bessere Steuerung der Versorgung abzielen. Gleichzeitig sehen wir die Gefahr, dass Teile des Entwurfes zu einer zusätzlichen Belastung von Pflegebedürftigen, An- und Zugehörigen, Leistungserbringer:innen und Kommunen führen."
Mit dem Start der Kampagne "Pflege wird ausgebremst" zeigt die Freie Wohlfahrtspflege, vor welchen Herausforderungen die Pflege bereits heute steht und welche Folgen die geplanten Reformen zu dem Pflegeneuordnungsgesetz für die Versorgung vor Ort haben können.
"Mit großer Sorge betrachten wir die geplante Aussetzung der sogenannten Tariftreueregelung sowie die damit verbundene Begrenzung der Refinanzierung. Gute Pflege ist auf qualifizierte und engagierte Mitarbeitende angewiesen. Eine faire und verlässliche Vergütung bildet dafür eine unverzichtbare Grundlage", so Lenke weiter.
Die neu geplante Pflegebegleitung bei gleichzeitiger Abschaffung der Beratungsbesuche durch ambulante Pflegedienste sieht die LAG FW kritisch. Dadurch drohen Parallelstrukturen, der Verlust pflegefachlicher Beratungskompetenz sowie zusätzliche Fachkräfteengpässe durch Abwerbung aus ambulanten Diensten. Zugleich entfällt ein bislang verlässlich refinanzierter Leistungsbereich, was die wirtschaftliche Stabilität ambulanter Dienste und damit wohnortnahe Versorgungsstrukturen schwächt.
Auch die Beschränkung des Sozialraumbudgets auf Angebote zur Unterstützung im Alltag nimmt Pflegebedürftigen bisherige Wahlmöglichkeiten. Mittel für Tages- und Nachtpflege stünden künftig nicht mehr zur Verfügung, was häusliche Pflegearrangements schwächt und die wirtschaftliche Stabilität der Tagespflege beeinträchtigt. Dabei entlastet Tagespflege pflegende An- und Zugehörige und kann eine vollstationäre Versorgung vermeiden oder hinauszögern.
Die Kampagne geht auf eine Initiative der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Thüringen zurück. Als zentrales Motiv dient der Bundesadler als Repräsentant der Bundesebene, kombiniert mit einem Fahrzeug als Symbol für den pflegerischen Alltag. Zur Sichtbarkeit wird das Kampagnenmotiv öffentlichkeitswirksam an den Dienstfahrzeugen der Mitgliedsverbände der LAG FW angebracht.
Mehr Infos unter https://www.lag-fw-nds.de/pflegeneuordnungsgesetz/