Insa Carstens ist seit 1. August die neue Koordinatorin für Altenhilfe und Pflege bei der Caritas Niedersachsen. Welche Herausforderungen sie in ihrer neuen Aufgabe sieht und auf welche Begegnungen und Projekte sie sich freut, erklärt sie im ausführlichen Interview:
Sie haben Anfang August bei der Caritas in Niedersachsen den Themenbereich "Altenhilfe und Pflege" übernommen. Das mangelt es ja nicht an brisanten politischen Themen. Welche sind für Sie die drei drängendsten?
Die zukunftsweisende politische Stellschraube ist die Finanzierung der Pflege. Stetig wachsende Eigenanteile lassen die Pflege zu einem Armutsrisiko für Unterstützungsbedürftige und ihre Familien werden. Ein besonderes politisches Augenmerk verdienen dabei die Investitionskosten. Die Aufwendungen für Infrastruktur, Gebäude und Ausstattung werden bislang im Wesentlichen von den Pflegebedürftigen getragen. Aus Trägerperspektive zeigen sich ebenfalls Finanzierungsprobleme. So stehen z.B. steigende Personal- und Sachkosten zeitintensiven Verhandlungen mit Pflegekassen und Sozialhilfeträgern gegenüber.
Ein weiteres drängendes Thema ist in diesem Sommer besonders deutlich geworden. Mitteleuropäische Sommer bringen immer häufigere Hitzewellen, die für ältere und pflegebedürftige Menschen eine reale Gesundheitsgefahr darstellen und lebensbedrohlich werden können. Viele Pflegeeinrichtungen der Caritas haben sich bereits erfolgreich auf den Weg gemacht und Klimaschutzkonzepte entwickelt. Aktuell fehlt es in Niedersachsen jedoch noch an einer flächendeckenden, refinanzierten Infrastruktur für klimaresiliente Pflegeeinrichtungen und ambulante Schutzkonzepte.
Ein drittes wichtiges politisches Handlungsfeld sehe ich im Aufbrechen von Sektorengrenzen zwischen dem ambulanten, teilstationären und vollstationären Bereich. Dieses könnte Trägern von Pflegeeinrichtungen den rechtlichen und finanziellen Spielraum verschaffen, Pflegebedürftigen zu jeder Zeit und in jeglicher Situation bedarfsgerechte Unterstützung zukommen zu lassen.
Was haben Sie vorher gemacht?
Ich war im Sozialdienst eines großen Krankenhauses tätig und für die Weiterversorgung überwiegend älterer Patientinnen und Patienten zuständig. Während meines Studiums war ich in der häuslichen und einrichtungsgebundenen Altenhilfe und Pflege beschäftigt. Durch diese Tätigkeiten konnte ich wertvolle Erkenntnisse bezüglich der Veränderungspotenziale und aktuellen Brennpunkte in der Altenhilfe und Pflege gewinnen. Zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung habe ich nach meinem Bachelorabschluss Gerontologie mein berufsbegleitendes Masterstudium MBA Gesundheitsmanagement an der Hochschule Osnabrück aufgenommen und im Sommer dieses Jahres erfolgreich abgeschlossen.
Das Interview in voller Länge finden Sie unten als Anhang.