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Stand: 16.04.2018

Pressemitteilung

Pflege: "Die Politik muss etwas tun"

Hildesheim. "Ich habe meine Bewohner total ins Herz geschlossen, die sind für mich wie eine Familie." Andrea Giesa (22) absolviert die Ausbildung zur Altenpflegerin im zweiten Jahr im Hildesheimer Caritas Senioren- und Pflegeheim Magdalenenhof. Dass die Pflege ihr Spaß macht, erlebte sie erstmals beim Pflegepraktikum fürs Fachabitur. "Es kommt uns viel Dankbarkeit entgegen", sagt Giesa.

Sandra Gieseke vom Altenpflegeheim St. Paulus war schon in anderen Berufen tätig, bevor sie ihr Herz an die Altenpflege verlor. Es sei körperlich und psychisch kein leichter Beruf, betont die 40jährige. Aber die Dankbarkeit zähle mehr als eigene Bedürfnisse oder Wehwehchen. Gieseke steckt bereits mitten in den Prüfungen, im August ist sie examiniert. Das haben nicht alle in ihrer Klasse geschafft, ein Viertel hörte im ersten Jahr wieder auf.

Dafür startete Sherif Zeneli (37), seit 2011 als Pflegeassistent im Magdalenenhof beschäftigt, gleich im zweiten Ausbildungsjahr als Aötenpfleger. "Wenn ich nach Hause gehe, habe ich das gute Gefühl, dass ich Menschen geholfen habe", sagt er. Aber den Zeitdruck nehme man mit sowie das schlechte Gewissen, ob wirklich alles geschafft sei. Zeneli sieht Fortschritte beim Bürokratieabbau. Das schaffe kostbare Zeit für individuelle Zuwendung.

Die Politik müsse dringend etwas dafür tun, damit der Beruf attraktiver wird. Da sind sich die Auszubildenden einig. "Wer bei VW 14 Autos fertig gestellt habe, erhält einen Bonus. Und wir?" fragt Sherif Zeneli. Zum Glück liege der Tariflohn der Caritas um 400 Euro höher als bei den Privaten. "Da stimmt doch etwas nicht in der Altenpflege."

Weihbischof  Dr. Nikolaus Schwerdtfeger dankte den Auszubildenden für ihre beeindruckenden Schilderungen. Verglichen mit den Niederlanden oder Norwegen sei die Zahl der zu Pflegenden pro Pflegekraft in Deutschland fast doppelt so hoch. Auch nehme die Zahl Pflegebedürftigen in Deutschland unübersehbar zu. Trotz der objektiven Arbeitsverdichtung sei die Freude unabdingbar. "Schauen Sie weiterhin in die Gesichter der Menschen", ermutigte der Bischof die Auszubildenden.

Caritasdirektor Achim Eng versprach, sich für verbesserte Rahmenbedingungen einzusetzen. Er erinnerte daran, dass Auszubildende keine Ersatzarbeitskräfte seien. "Ich brauche Ihre Stimmen und Ihr Feedback", so Eng. "Behalten Sie Ihre Freude, das ist die Grundvoraussetzung."

"Altenpflege ist die Arbeit mit Menschen, nicht mit Gegenständen. Wir arbeiten mit sieben Herzen." Dieses Statement fasst die Stimmung des Pflege-Nachwuchses und das hohe Engagement in der Altenpflege gut zusammen. Es stammt von Rükiye Nayir (28) aus dem Magdalenenhof. Ihre Forderung zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen: "Supervision sollte Standard sein."

Hintergrund: Caritas-Altenhilfe in Niedersachsen
In der niedersächsischen Caritas-Landesarbeitsgemeinschaft Altenhilfe haben sich insgesamt 190 stationäre, teilstationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen aus dem Bereich der drei niedersächsischen Caritasverbände (Caritasverband für die Diözese Hildesheim, Caritasverband für die Diözese Osnabrück und Landes-Caritasverband für Oldenburg) zusammengeschlossen.

2017 wurden rund 27.000 Menschen von ca. 8.500 Mitarbeitenden betreut und gepflegt. Die Caritas bildet in den Einrichtungen und Pflegediensten ca. 500 junge Menschen zur Altenpflegerin bzw. zum Altenpfleger aus.

Mehr Informationen zu den politischen Forderungen der LAG Altenhilfe und den Aktionen zum Tag der Pflege unter www.caritas-nds.de/tagderpflege.

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