URL: www.caritas-dicvhildesheim.de/service-amp-aktuelles/presse/meilenstein-fuer-die-ambulante-pflege-in
Stand: 16.04.2018

Pressemitteilung

Pflege

Meilenstein für die ambulante Pflege in Niedersachsen

Eine Pflegerin hält die Hand einer Seniorin.

Hannover. Die Klagen über den Personalmangel in der ambulanten Pflege werden immer lauter. Aktuell hat die niedersächsische Sozialministern Carola Reimann Zahlen vorgelegt, nach denen in den kommenden 12 Jahren bis zu 52.000 Fachkräfte in der Altenpflege fehlen. Schon jetzt könnten 4.000 Stellen nicht besetzt werden. Immer mehr Pflegebedürftige und ihre Angehörigen machen die leidvolle Erfahrung, dass sie keinen Pflegedienst finden, der sie zu Hause versorgt.

AWO, Caritas, Diakonie und die kommunalen Sozialstationen in Niedersachsen wollen mit einem neuen Berechnungsschema für mehr finanzielle Transparenz in der ambulanten Pflege sorgen. Es ermöglicht eine transparente Darstellung sämtlicher Kosten und die Berechnung angemessener Preise. Der Teufelskreis der Unterfinanzierung der ambulanten Pflege solle so durchbrochen und die Grundlagen für Verhandlungen auf der Basis tatsächlicher Kalkulationen geschaffen werden.

"Die nicht auskömmlichen Preise haben in der Vergangenheit dazu geführt, dass die Pflegekräfte angehalten wurden, immer mehr Leistungen in immer kürzerer Zeit zu erbringen", so Eng. Diese Arbeitsverdichtung erhöhe die Belastung der Pflegekräfte und werde den auf Pflege angewiesenen Menschen nicht gerecht. Angesichts der größeren Entfernungen im ländlichen Raum sei es zum Beispiel entscheidend, dass die Kostenträger auch die tatsächlichen Kosten übernehmen. Ein Hausbesuch bei tariflicher Bezahlung kostet 4,80 Euro, refinanziert werden aber nur 3,90 Euro.

"Wir bezahlen anständig und scheuen daher keine Transparenz - hierfür fehlte in der ambulanten Pflege bislang jedoch die kalkulatorische Grundlage", so die Initiatoren. Mit dem vorgelegten Kalkulationsmodell würde eine nachvollziehbare und verbindliche Grundlage für die Berücksichtigung der tarifvertraglich gezahlten Löhne in Vergütungsverhandlungen geschaffen. So könne nun etwa ein konkreter Preis für Wegepauschalen berechnet werden.

Eng: "Wir verstehen diesen Schritt auch als einen aktiven Beitrag zur Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufs und damit zur Verbesserung der ambulanten Versorgung." Die tarifliche Bezahlung der Pflegekräfte sei einer von mehreren Bausteinen, um den Pflegeberuf attraktiv zu machen. Aber auch der Arbeitsverdichtung, die ein Grundproblem der ambulanten Pflege darstelle, könne mit der Kalkulation der tatsächlich erforderlichen Preise entgegengewirkt werden. "Die leidige ‚Rennpflege‘ muss ein Ende haben, denn diese bedeutet ja nicht nur, dass die Pflegekräfte von einem Pflegebedürftigen zum nächsten hasten, sondern früher oder später auch aus diesem Beruf davonrennen."

Hintergrund: Durch gesetzliche Änderungen im SGB XI im Zuge der Pflegestärkungsgesetze kann die tarifliche Bezahlung der Mitarbeitenden in der Pflege nicht mehr als unwirtschaftlich abgelehnt werden. Zudem hat die Rechtsprechung des Bundessozialgerichts die Refinanzierung tariflich bedingter Personalkosten auch in der Häuslichen Krankenpflege gestärkt, eine Berücksichtigung höherer Steigerungen jedoch an eine Verhandlung auf der Grundlage tatsächlicher Betriebs- und Kostenstrukturen geknüpft.

Anders als für die Pflegeheime gibt es in Niedersachsen jedoch bis heute kein geeintes Kalkulationsschema, das die Berechnung von auskömmlichen Vergütungen für die Leistungen ambulanter Pflegedienste sowie der Wegepauschalen ermöglicht. Dies hat bislang die Verhandlung auskömmlicher Vergütungen für die ambulante Pflege sehr erschwert - mit der Konsequenz von Leistungsverdichtungen, einer niedrigen Bezahlung der Pflegekräfte bis hin zu wirtschaftlichen Schieflagen und Betriebsaufgaben.

Die Verbände AWO, Caritas, Diakonie und der Arbeitskreis kommunaler Sozialstationen haben gemeinsam ein Kalkulationsschema entwickelt, das eine transparente Darstellung aller Kosten - die in der ambulanten Pflege weit überwiegend aus Personalkosten bestehen - und auf dieser Grundlage die Kalkulation von auskömmlichen Preisen ermöglicht. An diesem Prozess, der von der Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft PFK Fasselt und Schlage, Braunschweig, unterstützt wurde, waren auch einzelne Pflegedienste dieser Verbände beteiligt.

Die vier Initiatoren vertreten über 200 Dienste in Niedersachsen. Sie versorgen mehr als 25.000 Pflegebedürftige.

Copyright: © caritas  2018