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Stand: 14.02.2017

Pressemitteilung

Rechtspopulismus

Gemeinsam gegen Fremdenhass

Bierdeckel RechtspopulismusBierdeckel mit Vorurteilen gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund dienen als Diskussionsgrundlage in Kneipen. Foto: DiCV Hildesheim

Hildesheim. Ein Fußballfan, der einem Braunschweiger Fußballverein die Flöhe wünscht, besprüht einen Stromkasten an der Bundesstraße mit der Verwünschung "Tod und Hass dem BTSV." Was empfinden Tausende von Autofahrern, die täglich diesen Anschlag lesen? Das Graffito verstößt gegen jedes sportliche Fair Play. So empfinden vermutlich viele. Hier ging es nur um Sport. Doch was empfinden Menschen, denen regelmäßig fremdenfeindliche Parolen entgegen gebracht werden? Sie sind verletzt. Fair Play ist auch hier nicht gegeben.

Fremdenfeindliche Parolen verletzen Menschen, die sich nicht wehren können. Die Caritas geht deshalb gegen Mitarbeitende, die Fremdenhass propagieren, mit arbeitsrechtlichen Maßnahmen vor, die bis zur fristlosen Kündigung führen können. Und sie veranstaltet Argumentationstrainings. Nicht weil die Caritas-Mitarbeitenden besonders fremdenfeindlich oder menschenverachtend eingestellt sind, sondern ganz im Gegenteil. "Wir wollen normale Menschen auf der Seite des Guten stärken und die schweigende Mehrheit zum Sprechen  bringen", sagt Angelika Kleideiter vom Caritasverband für die Diözese Hildesheim.

Denn klar ist: rechtspopulistische, rassistische oder rechtsextreme Äußerungen haben Konjunktur. Da wird das sportbegabte Kind mit Migrationshintergrund herabsetzend als "Schokocrossi" bezeichnet. Im nächsten Atemzug sollen die jungen Männer aus Syrien gefälligst für ihr Land kämpfen und Flüchtlinge in ihrer Heimat bleiben. Als Begründung müssen die Totschlagargumente "Was das alles kostet" und "Die haben ja alle ein Handy" dienen, argumentiert wird nicht, Wut statt Fakten.

Was tun? Knackige Gegenargumente liefern? Mit Zahlen gegenhalten? "Zunächst muss man die Situation analysieren, in der die Aussage fällt", sagt Achim Bröhenhorst vom Landespräventionsrat. Der Argumentations-Coach rät zu Augenmaß. Hilfreich sei es, ein Argument herauszugreifen und konsequent bei diesem zu bleiben.

Und dann: "Möglichst mit der eigenen Realität argumentieren, zum Nachdenken bewegen, um das Einsehen zu erzeugen, dass es ganz so einfach wie dargestellt nicht ist." Im Beispiel des Handys für Flüchtlinge etwa Fakten nennen: Ich bin Pate für einen Flüchtling, der hat natürlich ein Handy, mit dem er alles macht: telefonieren, übersetzen und mailen, bis hin zu Briefen an das Jobcenter."

"Jeder Mensch hat andere Grenzen für Aussagen, die er als nicht tolerierbar ansieht", sagt Bröhenhorst. Aber ob die Diskussion Aussicht auf Erfolg hat, müsse man von Fall zu Fall entscheiden. "Auf jeden Fall kann man immer Hilfe holen. Etwa im Bus, indem man sich umschaut und fragt: Geht noch jemand mit und setzt sich zwischen den Pöbler und die Frau mit Kopftuch?

Eine Caritas-Kollegin aus Hannover, die am Workshop im Hildesheimer Diözesan-Caritasverband teilnahm, berichtete von einer Situation beim Sonntagsspaziergang. Sie ging zusammen mit einem Flüchtling spazieren. Ein Deutscher, der ihnen begegnete, schimpfte: "Hau ab, Ausländer." - "Ich musste etwas tun", sagte die Kollegin, "andernfalls hätte ich meinen Bekannten alleine gelassen." Also erwiderte sie: "Halt die Klappe, Du Rassist." Couragiert!

"Das Training soll helfen, den Blick zu öffnen auf den Kreis der Umstehenden", sagt Trainer Bröhenhorst. Es sei sehr wichtig, dass Umstehende merken, dass sie nicht alleine sind. "Wenn wir menschenfeindliche Äußerungen im Verein, im Bus und in der Familie nicht mehr unwidersprochen stehenlassen, gehen wir einen großen Schritt in Richtung offene und menschenrechtsorientierte Gesellschaft."

Im Rahmen der neuen Initiative "Kein Platz für Fremdenhass" veranstaltet die Caritas in Niedersachsen im Jahr 2017 regionale Trainings, um Mitarbeitende darin zu stärken, in menschenverachtenden Situationen Position zu beziehen. "Wir führen das Argumentationstraining mit Kolleginnen und Kollegen aus allen Arbeitsbereichen der Caritas durch", sagt Angelika Kleideiter für die Caritas im Bistum Hildesheim. "Ziel ist es, Mitarbeiter in ihrer Sensibilität für die unterschiedlichsten Lebenswege und vielfach auch Leidenswege der Menschen zu stärken und konkret zu erproben, wie sie plumpen Parolen begegnen können. Ausgrenzung und Benachteiligung sind mit dem christlichen Menschenbild von Caritas und Kirche nicht vereinbar."

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